#respectmomversity – Schluss mit der Stutenbissigkeit unter Müttern // Teil 2

Es herrscht Krieg. Sogar da, wo es uns eigentlich gutgeht. Auf dem heimischen Sofa. Auf dem Spielplatz. Im Büro. Bei der Familienfeier. Im Grunde sind wir uns alle einig, dass bei der Thematik „Kindererziehung“ vor allem eines im Fokus steht: Liebe. Und dennoch sehen sich Mütter nicht selten mit Konkurrenzdruck, Anfeindungen oder „gutgemeinten Ratschlägen“ konfrontiert, die allzu oft letztlich nur einen Zweck verfolgen: Das Gegenüber will sich besser, man selbst soll sich schlechter fühlen. Ob Stillen, Tragen, Schlafen, Ernährung, Kleidung, Erziehung – die Methoden sind vielfältig und zu jedem Thema gehen die Meinungen auseinander. Dies sollte jedoch kein Grund sein, den moralischen Zeigefinger zu erheben. Viel einfacher – und schöner – wäre es doch, wenn wir einander etwas mehr respektieren würden und ab und an über den Tellerrand blicken und andere Mütter als Inspirationsquellen betrachten könnten. Oder sie zumindest einfach für das respektieren, was sie tun: nämlich ihre Kinder zu lieben. Getreu dem Motto „Same same but different“; schließlich sitzen wir doch alle im selben Boot.

Unter dem Projektnamen #respectmomversity sollen hier möglichst viele Geschichten, Anekdoten, Gedanken zusammentragen werden mit dem Ziel, dem Konkurrenzkampf unter Müttern den Wind aus den Segeln zu nehmen…und zwar von Müttern, die ihr bewundert, OBWOHL oder gerade WEIL sie einen völlig oder etwas anderen Erziehungsstil als ihr führen.* Das Ziel dieses Projekts: Flagge zeigen im Kampf gegen die Stutenbissigkeit unter Müttern. Verständnis füreinander aufbringen. Und Respekt. Und vielleicht sogar das ein oder andere adaptieren.

Im zweiten Teil der Projektreihe berichten diese wundervollen Ladies über Mütter, die einiges anders machen als sie selbst – und ihren Gedanken dazu.

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>An dieser Stelle wieder mal ein großes Dankeschön! und Chapeau, Mädels!<

Ich glaube für uns Menschen ist es schwer andere Menschen einfach machen zu lassen. Wir sind eine intelligente Spezies, die viel denkt und schaut, optimiert und besser machen will. Ein gewisser Wettbewerb und Ansporn gehört dazu und schnell verliert man sich mal in einem Strudel. Besonders wir Elternblogger sehen und lesen ja täglich davon, wie man es besser oder anders machen kann. Wer Twitter fleissig mitliest findet ständig Hashtags von irgendwelchen Gates, da sich Mütter wieder gegenseitig zerfleischen.
Ich seh es so, manchmal ist lästern eben befreiend und hilft wohl oftmals über die eigenen Unzulänglichkeiten hinwegzusehen aber wie persönlich das teilweise wird, erschreckt mich auch immer wieder.
Es sind so viele, die vieles anders machen. Anders ist nicht besser oder schlechter. Jede versucht ihre Familie zusammenzuhalten, zu schützen und das alles ohne selber unterzugehen. Besonders die alleinerziehenden Mamas haben hier einige Hürden mehr und klar machen Sie grundsätzlich schon mal viele Dinge ganz anders als ich , da Sie es müssen. Erwähnen möchte ich hierbei @Mama-arbeitet. Ich fand und Sie sehr kontrovers und gehe mit vielem nicht konform aber dennoch ist diese Frau eine Wucht. Sie hat schon so vieles erleben müssen und managt ihr Leben wie mit einem Zauberstab. Sie engagiert sich politisch und macht sich stark für Frauen, Mütter und Familien. Sie arbeitet soviel um unabhängig zu bleiben und zeigt auf, wie schwer Alleinerziehende es wirklich haben. Sie macht viele „Wellen“ im Internet, Radio und der Presse und verdient meinen vollen Respekt.
Respekt, Achtsamkeit und Aufmerksamkeit ist das, was wir Mütter/ Väter/ Familien uns immer geben können. Wir müssen nicht alles toll finden was andere machen aber hinschauen und zuhören kann Konflikte beheben bevor Sie entstehen.
Selga (@salgug)

Diese zwei kleinen frechen Monster, wenn ihr wüsstet was die mit mir gemacht haben. Meine Söhne Gabriel 9 und Julius 6 Jahre alt. Wir auf dem Weg zum Zentralmarkt (Großhandel für alles) überreden mich die Jungs mit schlagfertigen Argumenten. „Mama bitte wir sind groß und passen aufeinander auf…bleiben nur in der Spielzeugabteilung bis du schnell kommst. Außerdem wissen wir, dass du hinten bist und bla bla…

Ich musste tatsächlich nur im hinteren Abteil was abgeben und schnell wieder zurück. Kaum war ich am Ende des Ladens angekommen, höre ich im Lautsprecher. Der Gabriel & Julius haben ihre Mama verloren, bitte hier aus dem Spielzeugabteil abholen. 

Ich: 😳 schnell aber unauffällig Richtung Kinder marschiert (nach dem Motto bin nicht gemeint) Höre ich Menschen mir entgegenkommen, oh da wollte jemand seine Kinder nicht. 

Ich mir nichts anmerken lassen, wäre da die Lena nicht. Die im Einkaufswagen saß und vorlaut und stolz die Namen ihrer Brüder rief. Ich: 🙊🙉🙈 Erdboden öffne dich. #ihrmonster 

Aber was ich eigentlich sagen möchte ist, 

#respectmomversity genau das hätte ich mir sehr gerne gewünscht, als das Mikro erloschen war. Urteile niemals über einen Menschen, wenn man ihn und die Situation nicht kennt. 

Vielleicht wollte ich als Mutter meinen Kindern eine gewisse Selbständig vermitteln. Ihnen Vertrauen schenken, dass sie es alleine schaffen. Und wenn’s mal nicht funktioniert…dann lernen sie daraus… Um ehrlich zu sein, hab ich das ganze mit Humor gesehen, das war auch eher eine Behauptung  von den anderen Kunden, die scherzhaft rüberkommen sollte. Jeder urteilt schnell und unüberlegt. Auch ich urteile voreilig. Aber das ganze von der anderen Perspektive zu betrachten, lässt mich darüber nachdenken. Sich bewusst vor den Augen halten, nicht zu urteilen, vielleicht sieht die Situation anders aus als auf den ersten Blick. Es macht mir nichts aus wenn man mir was nachsagt. Wichtig ist, dass es meinen Kindern gut geht, alles andere ist mir gleichgültig.

Ich bin eine taffe Mutter. Wer mich kennt, der weiß es. Für meine Kinder tu ich alles, aber mich rechtfertigen bei Menschen die ich nicht kenne, dazu hab ich keine Lust, geschweige denn Zeit. 

Marike (@babyohbaby.de)__ http://babyohbaby.de/

Ich wäre manchmal gern eine von den ganz lockeren Muddis. Stattdessen musste ich mir nach der Geburt unserer Tochter ziemlich schnell eingestehen, dass ich wohl eine waschechte Glucke bin. Unser Baby einem Babysitter überlassen? Never ever! Abstillen und die Flasche geben? Bloß nicht, ich muss doch das Immunsystem unseres Kindes möglichst lange durch die Kraft der Muttermilch stärken! Und es gab noch andere Momente, in denen ich mir selbst sagen musste: „Ok, jetzt lass mal das Helikoptern!“
Umso mehr bewundere ich Mamas, die es ganz anders machen. Nike von Dinther von thisisjanewayne.de ist so ein Beispiel für mich. Sie wurde im Vergleich zu mir viel früher Mama und hat von Anfang an nie ihren Job, einen der größten Modeblogs Deutschlands, aus den Augen verloren. Man konnte sie auf Instagram und Co. schnell wieder auf Meetings und Reisen sehen. Hier konnte man in den letzten Monaten auch verfolgen, dass sie sich von ihrem Freund und Vater ihres Sohnes getrennt hat und nun, mit neuem Partner, den Alltag einer Patchworkfamilie lebt. Ich finde es sehr mutig und bewundernswert, dass Nike sich nicht hinter dem von der Gesellschaft als perfekt empfundenen Familienbild versteckt und öffentlich zeigt, dass es auch anders geht. Ich weiß nicht, ob ich so viel Mut hätte, wenn ich in einer ähnlichen Situation wäre.
Auch Jessie von journelles.de zeigt allen Mamas da draußen ganz deutlich: Nur weil ich ein Baby habe, heißt das nicht, dass ich alles hinschmeiße. Das mag die ein oder andere gut oder schlecht finden, Jessie steht zu ihrer Vorstellung von Familienleben und das finde ich sehr erstrebenswert. Auch wenn wir unsere Elternzeit 50/50 aufgeteilt haben, habe ich auf lange Sicht beruflich doch mehr zurückgesteckt. Beispiele wie Jessie und Nike können andere Mütter inspirieren und zeigen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, sich als Mutter zu entfalten.
Janina (@janelblog)

Jeder Mensch ist anders, hat andere Wertvorstellungen. Jede Mutter ist es.

Nachdem ich den ersten Blogbeitrag zu „#respectmomversity“ gelesen habe, fühlte ich mich total angesprochen und wusste, dass ich auch etwas schreiben muss.

So kam mir sofort meine beste Freundin Julia (@julia_huether) in den Sinn. Was wir nicht schon alles zusammen durchgemacht haben. Viereinhalb Jahre kennen wir uns nun schon. In dieser Zeit ist viel Aufregendes passiert. Vieles, das unser Leben verändert hat. Der wohl schönste Teil unserer Freundschaft war die gemeinsame Schwangerschaft, denn wie glücklich kann man sich schätzen, gleichzeitig mit der besten Freundin schwanger zu sein. Wir teilten unsere Sorgen und Ängste, unsere Vorstellungen wie das 1. Lebensjahr ablaufen sollte. In vielen Dingen waren und sind unsere Ansichten gleich, doch es gibt natürlich auch Unterschiede.

Währenddessen ich immer noch zum Einschlafen stille (nun fast 1 Jahr), hatte Julia Probleme mit dem Stillen, von Anfang an. Irgendwann gab sie es auf und für die Kleine gab es Flaschenmilch. Für die beiden war dies der richtige Weg. Ich denke mir immer, was bringt das Stillen, wenn Beide nicht glücklich sind?! Es zerrte an ihren Nerven, sie waren gestresst. Sie änderte es und beide waren wieder zufrieden.

Ein weiterer Unterschied in unserem „Erziehungsstil“ ist das Thema SCHLAFEN. Vor der Geburt haben wir natürlich Beide ganz eifrig das Kinderzimmer mit dem dazugehörigen Bett hergerichtet. Man macht sich viele Gedanken in der Schwangerschaft, dennoch kommt es bekanntlich meist anders als man denkt. Einer von uns nutzt das Bett fast von Geburt an, der Andere hat es fast unbenutzt vor ein paar Tagen verkauft. So bin ich die, die nie an ein Familienbett gedacht hat und es nun trotzdem hat. Wir sind da so rein gerutscht, denn im Gegensatz zu Julias Kleiner, wollte Eliel nie allein im Bett schlafen. Ich habe mir oft angehört wie sie es macht und auf ihre Ratschläge vertraut und nun schläft er zumindest mittags allein in seinem neuen Bett ein.

Ich denke, dass jede Mutter ihren eigenen Weg finden muss. Im Endeffekt haben wir doch alle das gleiche Ziel. Wir wollen, dass unsere Kinder glücklich sind und das können sie nur sein, wenn es auch ihre Mama ist. Keinem Menschen bringt es was, sich in eine Rolle drängen zu müssen, um der Gesellschaft zu gefallen. So ecke ich bei einigen vielleicht an, weil unser Kind „immer noch“ in unserem Bett schläft und Julia, weil sie das Stillen „aufgegeben“ hat. Wir haben vielleicht nicht denselben Weg eingeschlagen, haben andere Ansichten oder eine andere Durchsetzung, dennoch haben wir eines gemeinsam: Die Liebe zu unseren Kindern.

* Du möchtest auch Teil des Projekts #respectmomversity werden? Dann sende mir einfach eine Email an info@capuletscuties.de

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